Witterungsreport für Januar bis Dezember 2010

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der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH

Normalisierung nach windschwachem Start

Nachdem das Jahr 2010 ausgesprochen windarm begonnen hatte, normalisierte sich das Windangebot im Verlauf des Jahres weitgehend. Der Januar und der Februar blieben am weitesten hinter dem Mittelwert zurück und trugen maßgeblich zu einer ertragsarmen ersten Jahreshälfte bei. Die Erträge der zweiten Jahreshälfte kamen hingegen dem für diesen Zeitraum üblichen Windangebot recht nahe, wie die Auswertung der Messdaten des Standortes Königshain in Sachsen (Messstation der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH) ergab. Die bislang windreichsten Monate waren der März und der November. Sollten die Windverhältnisse in den letzten 12 Tagen des Jahres dem langjährigen Monatsmittel entsprechen, so kann der Dezember noch zum windreichsten Monat des Jahres werden. In diesem Falle würde sich für das gesamte Jahr 2010 betrachtet noch ein Windangebot von ca. 80 % des Referenzwertes aus dem Zeitraum von 1993 bis 2007 ergeben. Insgesamt belebt das letzte Jahresdrittel die Hoffnung, dass die windschwache Zeit aus dem Jahr 2009 und dem Anfang des Jahres 2010 endlich vorbei ist.

Vergleich Leistungsdichte-Indizes

Abbildung 1: Vergleich der Leistungsdichte-Indizes [3] (Anm.: Januarwert unvollständig; Dezemberwert aus Messdaten bis 19.12.2010 und Mittelwert 1993-2007 geschätzt)

Kalt und schneereich war der Januar 2010. Um landesweit etwa 3 K, im Osten sogar 4 K, lagen die Durchschnittstemperaturen unter den langjährigen Mittelwerten. Lediglich im Südwesten Deutschlands wurden zur Monatsmitte kurzzeitig Temperaturen von bis zu 9 °C gemessen; in anderen Regionen stieg das Thermometer kaum über -10 °C. Die Niederschläge – im Nordosten ausschließlich als Schnee – fielen jedoch unterdurchschnittlich aus. Trotz der überwiegend recht hohen Schneedecken blieb der Monat mit nur etwa 75 % des langjährigen Niederschlagsmittels vergleichsweise trocken. Auch die Sonne ließ sich nur selten blicken. Nur etwa zwei Drittel der durchschnittlichen Sonnenstunden für einen Januar kamen zusammen.

Zu Monatsbeginn sorgte Sturmtief Daisy für Böen von über 120 km/h an der Küste (z.B. 122 km/h – Kap Arkona/Rügen) und über 90 km/h im Flachland (z.B. 93 km/h – Stralsund, 91 km/h – Hamburg-Veddel). Am Monatsende erreichten die Sturmtiefs Jennifer und Keziban Deutschland. Sie brachten der Küste und den Bergen Sturmböen über 110 km/h und dem Flachland über 80 km/h.

Für die Messstation Königshain ist keine Aussage zum Windangebot des Januars möglich, da die Anemometer aufgrund von Eisansatz bis Mitte des Monats stillstanden.

Auch der Februar begann kalt und schneereich. Die Dicke der Schneedecke sprengte dabei örtlich Superlative. Ab Mitte des Monats stellte sich jedoch nach und nach milderes Wetter ein. In den letzten Tagen des Monats stiegen die Temperaturen in der Südhälfte Deutschlands auf 10 bis 16 °C. Das dadurch einsetzende Tauwetter sorgte zusammen mit den zuvor doch recht hohen Schneedecken vielerorts für Überschwemmungen. Insgesamt war der Monat nur geringfügig kälter als im langjährigen Mittel. Auch die Niederschläge fielen abgesehen vom Westen und Nordwesten des Landes ebenso unterdurchschnittlich aus wie die Sonnenscheindauer im gesamten Land.

Zu Beginn des Monats machte Sturmtief Miriam auf sich aufmerksam. Die Bergregionen bekamen das mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h (z.B. 130 km/h – Zugspitze, 125 km/h – Wendelstein) zu spüren, wobei der Wind im Flachland auch mit über 90 km/h wehte.

Das letzte Monatsdrittel wurde von den Sturmtiefs Undine und Wera sowie vom Orkantief Xynthia bestimmt. Letzteres brachte Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 km/h (z.B. 181 km/h – Brocken, 164 km/h – Weinbiet) in den Bergen und über 130 km/h (z.B. 134 km/h – Berus/Saarland, 133 km/h – Dörrmoschel-Felsbergerhof) im Flachland mit sich.

Ungeachtet dessen lag das Windangebot mit lediglich 66 % des Referenzwertes für einen Februar (Zeitraum 1993 – 2007) an der Messstation Königshain recht deutlich unter dem Durchschnitt.

Bodenwetterkarte 1. März 2010
Abbildung 2: Wetterkarte vom 1. März 2010 [6]

Neuschnee und Frost bestimmten den Monatsanfang im März 2010. Nachdem im ersten Monatsdrittel vielfach noch zweistellige Minusgrade gemessen wurden, stiegen die Temperaturen jedoch ab der Monatsmitte deutlich an. Vielerorts lagen die Temperaturen gegen Monatsende schon über 20 °C. Somit schnitt der März 2010 letztlich sogar geringfügig wärmer ab als im langjährigen Mittel. Auch die Sonne ließ sich bundesweit überdurchschnittlich oft blicken. Deutschlandweit kamen etwa 90 % der für einen März üblichen Niederschläge zusammen, wobei sich diese allerdings recht ungleichmäßig verteilten. So wurde der Monat im Norden des Landes überdurchschnittlich nass, wohingegen die trockenste Region Deutschlands am Oberrhein lag.

Nachdem sich Orkantief Xynthia vom Monatswechsel wieder gelegt hatte, verlief der März erst einmal ruhig. Erst zur Monatsmitte sorgte ein Randtief des Tiefs Christa für Böen von über 110 km/h (z.B. 140 km/h – Brocken, 117 km/h – Fichtelberg) in den Bergen und über 80 km/h (z.B. 87 km/h – Ehrenfriedersdorf) im Flachland. Für ein stürmisches Monatsende sorgten das Randtief Judy und das Sturmtief Kerstin. Judy bescherte sowohl den Bergen, als auch dem Flachland Böen mit mehr als 110 km/h.

Am Standort Königshain kamen im März 2010 immerhin 95 % des Referenzwertes des Windangebots zusammen.

Nach einem relativ kühlen Start wurde der April 2010 ausgesprochen warm, sonnig und trocken. Frost gab es nur noch in den ersten Apriltagen sowie in zentralen Landesteilen auch am Morgen des 22. Die Höchstwerte wurden am Monatsende mit verbreitet 26 bis 28 °C gemessen. Insgesamt schnitt der Monat geringfügig wärmer ab als im langjährigen Mittel für einen April. Die Niederschläge beliefen sich verbreitet auf weniger als ein Drittel, regional sogar weniger als ein Fünftel des langjährigen Mittels. Örtlich gab es weniger als 10 mm, was sich ausgesprochen hemmend auf die Vegetation auswirkte. Die Sonne schien allerdings im Mittel etwa 40 % häufiger als im langjährigen Durchschnitt.

Der Monat startete mit den Sturmtiefs Kerstin und Lia. Die Böen des Letzteren erreichten mehr als 90 km/h (z.B. 104 km/h – Brocken, 90 km/h – Zugspitze) in den Bergen und über 80 km/h im Flachland. In der zweiten Monatshälfte machte sich das Sturmtief Queenie mit Böen von mehr als 80 km/h (z.B. 93 km/h – Wendelstein) bemerkbar.

Das Windangebot am Messstandort Königshain erreichte im April 72 % des langjährigen Mittels (Zeitraum 1993 – 2007).

Der Mai war gekennzeichnet durch typisches „Aprilwetter“. Viel Regen sowie Schneefälle bis in mittlere Lagen bildeten den Auftakt des Monats. Das nasskalte Wetter, das fast den ganzen Monat beherrschte, wurde nur durch kurzzeitig sonniges und warmes Wetter zu Pfingsten unterbrochen. Insgesamt war der Mai etwa 1,5 K kälter als im langjährigen Mittel, wobei die Abweichung im Norden stärker ausfiel als im Süden. Lediglich im Nordwesten, vor allem in Niedersachsen, war es geringfügig trockener als normal. Ansonsten fielen erheblich mehr Niederschläge – stellenweise bis zum Vierfachen des langjährigen Mittels. Wie die Temperaturen, so blieb auch die Sonnenscheindauer weit hinter den Erwartungen zurück. Im Durchschnitt erreichte sie nur 60 %, örtlich sogar nur 40 % des im Monat Mai Üblichen.

In der ersten Monatshälfte erreichten die beiden Vb-Tiefs Valeska und Xena Deutschland. Während Valeska vor allen den Berg- und Küstenregionen Böen von mehr als 90 km/h (z.B. 104 km/h – Zugspitze, 93 km/h – Greifswalder Oie) brachte, machte sich Xena mit Böen von ebenfalls mehr als 90 km/h (z.B. 96 km/h – Kap Arkona/Rügen, 93 km/h – Regensburg) im Flachland und an der Küste bemerkbar.

Mit 76 % des Referenzwertes blieb das Windangebot am Standort Königshain deutlich unter dem sonst üblichen Mai-Wert.

Niederschlagshöhe und Temperaturabweichung im Mai 2010

Abbildung 3: Niederschlagshöhe und Temperaturabweichung im Mai 2010 (Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990 in % bzw. K) [1]

Uneinheitlich präsentierte sich das Wetter im Juni. Sonnig und trocken war der Monat in den meisten Landesteilen. Am Alpenrand hingegen fielen überdurchschnittlich viele Niederschläge, in der Monatsmitte sogar noch Schnee. Erst das letzte Monatsdrittel war im ganzen Land sommerlich. Insgesamt lagen die Durchschnittstemperaturen geringfügig über dem langjährigen Mittel, obwohl es Anfang des Monats regional noch empfindlich kühl war. Während der Monat im Süden recht feucht war, kamen im Flachland teilweise nur 10 bis 40 % der sonst im Juni üblichen Niederschläge zusammen. Die Sonne kam recht oft zum Vorschein, sodass die Sonnenscheindauer das langjährige Mittel um 20 bis 50 % überbot.

Stürmisch wurde es im Juni lediglich an der Küste. Sturmtief Doris II brachte dabei Böen von mehr als 90 km/h (z.B. 107 km/h – Boltenhagen, 94 km/h – Hiddensee-Dornbusch) mit sich.

Mit nur 70 % des für den Monat typischen Windangebots am Messstandort Königshain erwies sich der Juni 2010 als recht windarm.

Zunächst heiß und trocken zeigte sich der Juli 2010. Eine deutliche Abkühlung begleitet von zahlreichen Regenfällen brachte jedoch das letzte Drittel des Monats. Trotzdem lagen die Durchschnittstemperaturen etwa 3 K über dem langjährigen Mittel. Auch die Sonnenscheindauer übertraf den üblichen Wert je nach Region um etwa 20 bis 50 %. Die Niederschläge, die sich vor Allem auf das letzte Monatsdrittel konzentrierten, lagen in der Südosthälfte des Landes zwischen 20 und 70 % über dem langjährigen Mittel, wohingegen es im Nordosten deutlich trockener war als sonst.

Eine stürmische Wetterlage stellte sich während des gesamten Monats Juli in ganz Deutschland überhaupt nicht ein. Dementsprechend blieb auch das Windangebot mit nur 60 % des langjährigen Mittels am Standort Königshain deutlich hinter dem Mittelwert 1993-2007 zurück.

Monatsmitteltemperatur 2010

Abbildung 4: Messwerte der Temperatur am Institut für Meteorologie, Universität Leipzig [4]

Der August 2010 war der Nasseste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Während die Temperaturen sich etwa im Bereich des langjährigen Mittels hielten, fiel etwa zwei- bis viermal, örtlich sogar fünf- bis sechsmal so viel Regen wie in einem typischen August. Dementsprechend kam die Sonnenscheindauer auch nur auf etwa zwei Drittel der sonst im August üblichen Stunden.

Die letzte August-Woche wurde bestimmt durch das Randtief Beate, das Tiefdrucksystem Cathleen und das Sturmtief Erina. Sie brachten Windgeschwindigkeiten von über 110 km/h in den Bergen (z.B. Cathleen 130 km/h – Zugspitze; Erina 113 km/h – Kalterherberg) und an der Küste (z.B. Beate 130 km/h – Büsum; Cathleen 115 km/h – Hörnum/Sylt) sowie über 90 km/h (z.B. Beate 91 km/h – Flensburg, Leck; Cathleen und Erina 93 km/h – Bad Orb) im Flachland.

Das Windangebot im August lag mit 132 % des Referenzwertes (Zeitraum 1993 – 2007) an der Messstation Königshain deutlich über dem Durchschnitt.

Niederschlagshöhe und Sonnenscheindauer im August 2010

Abbildung 5: Niederschlagshöhe und Sonnenscheindauer im August 2010 (Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990 in %) [1]

Nass und kühl war auch der September. Abgesehen von wenigen sonnigen und milden Tagen war der September die nahtlose Fortsetzung des Augusts. Die Temperaturen blieben geringfügig unter den für einen September üblichen Werten. Vor Allem im Norden und Osten des Landes fielen stellenweise mehr als viermal so viele Niederschläge wie im langjährigen Mittel. Im letzten Monatsdrittel fiel in den Alpen sogar bereits Schnee. Da sich der sonst im September übliche Frühnebel in Grenzen hielt, blieb die Zahl der Sonnenstunden jedoch nur geringfügig hinter den normalen September-Werten zurück.

Mitte des Monats wurde es stürmisch an der Küste. Das Sturmtief Hiltrud sowie das Randtief Imogen waren dafür verantwortlich. Zwar erreichte die Windgeschwindigkeit auch während des Sturmtiefs Hiltrud in Böen mehr als 100 km/h (z.B. 115 km/h – Büsum, 109 km/h – Hörnum/Sylt), jedoch wurde diese von Imogen noch leicht überboten (z.B. 119 km/h – Helgoland-Oberland, 117 km/h – List/Sylt-Ellenbogen).

Mit 109 % des langjährigen Mittels lag das Windangebot am Standort Königshain leicht über dem Mittelwert.

Wetterkarte vom 16. September 2010

Abbildung 6: Wetterkarte vom 16. September 2010 [6]

Der Oktober 2010 fiel recht trocken und sonnig aus. Die Temperaturen entsprachen dabei im Norden etwa dem langjährigen Mittel und lagen im Süden geringfügig darunter. In der Mitte und im Süden Deutschlands gab es in der zweiten Monatshälfte bereits die ersten Nachtfröste. Die Niederschlagsmengen erreichten im Schnitt etwa die Hälfte, in Ostdeutschland sogar nur etwa ein Drittel des Üblichen. Etwa 30 % länger als in einem normalen Oktober schien die Sonne im Nordosten, Osten und Teilen der Mitte Deutschlands. Im Süden dagegen blieb die Sonnenscheindauer geringfügig hinter dem Durchschnittswert zurück.

Ab der Monatsmitte machten sich die Randtiefs Saphira und Tina sowie das Sturmtief Ursula bemerkbar. Während sich Saphira und Tina vor Allem auf die Küsten und deren Hinterland auswirkten, brachte Ursula auch den Bergen Windgeschwindigkeiten über 100 km/h (z.B. 122 km/h – Brocken, 107 km/h – Feldberg/Schwarzwald) und dem Flachland über 80 km/h.

Dennoch erreichte das Windangebot – gemessen am Standort Königshain – nur 81 % des Referenzwertes.

Eher frühlingshaft startete der November 2010. Um die Monatsmitte herrschten Höchsttemperaturen zwischen 14 und 19 °C, gebietswiese sogar bis zu 22 °C. Erst im letzten Monatsdrittel kühlte es sich deutlich ab – so deutlich, dass der warme Monatsanfang wieder ausgeglichen wurde und der Monatsmittelwert der Temperatur etwa dem langjährigen Durchschnitt entsprach. Dabei war es im Nordwesten Deutschlands etwas kälter und im Südosten etwas wärmer als normal. Niederschläge fielen deutlich mehr als üblich. In der Nordhälfte des Landes kam eine eineinhalb- bis zweimal so große Niederschlagsmenge zusammen, als dies für einen November normal ist. Dafür gab es nur etwa halb so viele Sonnenstunden als in einem mittleren November.

Den Monatsauftakt bildeten die Sturmtiefs Yentl und Zelda. Während sich Yentl vor Allem auf die Küstenregionen auswirkte, brachte Zelda in den Bergen und an den Küsten Böen mit mehr als 110 km/h (z.B. 141 km/h – Brocken, 113 km/h – Helgoland-Oberland) und im Flachland mit über 90 km/h (z.B. 96 km/h – Kabelsketal) mit sich. Mitte des Monats machte sich Orkantief Carmen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 km/h (z.B. 159 km/h – Zugspitze, 156 km/h – Feldberg/Schwarzwald) in den Bergen und über 100 km/h (z.B. 115 km/h – Ilsenburg, 106 km/h – Eschlkam) im Flachland bemerkbar.

Mit 129 % des langjährigen Mittels am Standort Königshain überstieg das Windangebot den Mittelwert spürbar.

Wetterkarte vom 11. November 2010

Abbildung 7: Wetterkarte vom 11. November 2010 (Orkantief Carmen über den Britischen Inseln) [7]


Quellen:

[1] Deutscher Wetterdienst:
http://www.dwd.de

[2] Monatsrückblick von WetterOnline:
http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/rueckblick/

[3] Messdatenauswertung – Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH:
http://www.windgutachten.de

[4] Institut für Meteorologie, Universität Leipzig:
http://www.uni-leipzig.de

[5] Unwetterereignisse – Meteomedia:
http://www.meteomedia.ch

[6] Institut für Meteorologie FU Berlin:
http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/

[7] Wetter3:
http://www.wetter3.de

Autor: René Nowka
Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH