Witterungsreport für Januar bis Dezember 2011

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der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH

Windarm am Jahresbeginn, dann schrittweise Steigerung zu einem windreichen Jahresabschluss

Es waren die Monate Januar und März, deren Windangebot mit weniger als der Hälfte des langjährigen Mittels weit hinter den Erwartungen zurückblieb und die dafür sorgten, dass nun schon im dritten Jahr in Folge der sonst so windige Jahresanfang außergewöhnlich windarm ausfiel. Zur Mitte des Jahres normalisierte sich das Windangebot, um am Jahresende noch einmal aufzutrumpfen. Nachdem der November wiederum deutlich hinter dem langjährigen Mittel zurückblieb, überstieg der Dezember mit seinem Windangebot dieses um mehr als ein Drittel und brachte somit zumindest eine kleine Entschädigung für den windarmen Jahresbeginn. Wie die Auswertung der Messdaten des Standortes Königshain in Sachsen (Messstation der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH) ergab, lag das Windangebot über das gesamte Jahr gesehen bei etwa 86 % des Referenzwertes aus dem Vergleichszeitraum von 1993 bis 2007. Bleibt die Hoffnung, dass dies der Auftakt zu einer Normalisierung des Windangebotes in naher Zukunft war.

Vergleich Leistungsdichte-Indizes

Abbildung 1: Vergleich der Leistungsdichte-Indizes [1]  (Anm.: Januarwert 2010 unvollständig; Dezemberwert 2010, November- und Dezemberwert 2011 aufgrund geringer Datenverfügbarkeit aus Regression mit WEA-Daten ermittelt)

Der Januar 2011 zeigte sich überwiegend mild und nass. Die tiefsten Temperaturen gab es am Anfang und am Ende des Monats. Die Schneeschmelze und der vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands recht reichliche Regen sorgten in der Monatsmitte vielerorts für Überschwemmungen. Trotz der Sturmtiefs Waltraut, Arno und Benjamin mit Böen über 120 km/h an der Küste und im Bergland (z. B. Arno: 141 km/h – Brocken) und über 80 km/h im Binnenland (z.B. Arno: 87 km/h – Görlitz) zu Beginn des Monats sowie Christian und Dieter mit über 100 km/h in den Bergen (z. B. Dieter: 122 km/h – Wendelstein) und über 75 km/h im Binnenland (z. B. Dieter: 83 km/h – Ilsenburg) Mitte Januar war dieser Monat deutlich windärmer, als es für einen Januar typisch ist.

Zweigeteilt zeigte sich der Februar 2011. Der Nordosten Deutschlands war geringfügig kälter und durchschnittlich feucht, konnte allerdings mit vielen ausgesprochen sonnigen Tagen aufwarten, nimmt man das langjährige Mittel zum Vergleich. Im Südwesten hingegen war es trüb, trocken und mild. Das Windangebot kam dem langjährigen Mittel recht nahe, wozu auch die Orkantiefs Lukas und Nicolas beitrugen. Dabei brachte Lukas Böen von 120 km/h selbst im Binnenland mit sich (z. B. 120 km/h – Bad Harzburg-Burgberg). Noch höhere Windgeschwindigkeiten wurden in den Bergen (z. B. 156 km/h – Brocken) und an der Küste (z. B. 126 km/h – Helgoland-Oberland) erreicht.

Wetterkarte 4.Februar

Abbildung 2: Wetterkarte vom 4. Februar 2011 [6]

Ausgesprochen sonnig und trocken war der März. Die Durchschnittstemperaturen lagen im Norden Deutschlands im Bereich des langjährigen Mittels, während es im Süden deutlich wärmer war. Charakteristisch für diesen Monat waren auch die durch den klaren Himmel verursachten großen Temperaturunterschiede zwischen den warmen Tagen und den frostigen Nächten. Allerdings gab es nur wenig Wind im März. Daran änderten auch die Sturmtiefs Volker und Wilfried nichts, die für Böen von mehr als 100 km/h in den Bergen (z. B. Wilfried: 115 km/h – Brocken) und an der Küste (z. B. Wilfried: 107 km/h – Hiddensee-Dornbusch) sowie von über 80 km/h im Binnenland sorgten.

2011 gab es den zweitwärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die sehr warme und trockene Wetterlage war außergewöhnlich beständig für einen April. Das Windaufkommen entsprach in etwa dem langjährigen Mittel. Die Sturmtiefs Ingo, Joachim und Karl brachten Böen von über 100 km/h an der Küste und in den Gebirgen sowie von über 90 km/h im Binnenland.

Lufttemperatur April 2011

Abbildung 3: Lufttemperatur und Temperaturabweichung im April 2011 (Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990 in K) [2]

Der Mai war sommerlich warm und sonnig. Dennoch gab es zu Monatsbeginn noch einmal Nachtfrost. Die Niederschläge erreichten nur wenig mehr als die Hälfte der im Mai zu erwartenden Menge. Diese fielen jedoch regional sehr unterschiedlich aus. Einerseits brachten lokale Wolkenbrüche am Alpenrand, im Bayerischen Wald und im Nordosten Deutschlands überdurchschnittliche Regenmengen mit sich; andererseits kam in Westdeutschland nur etwa ein Zehntel des langjährigen Niederschlagsmittels für einen Mai zusammen. Bei einem insgesamt durchschnittlichen Windangebot sorgten die Sturmtiefs Udo und Viktor für Böen von über 100 km/h sowohl in den Bergen (z. B. Viktor: 119 km/h – Wendelstein), als auch an der Küste (z. B. Udo: 102 km/h – List/Sylt-Ellenbogen) und im Binnenland (z. B. Udo: 104 km/h – Hamburg-Veddel).

Wechselhafte Wetterlagen dominierten den Juni 2011. Große Temperaturunterschiede binnen weniger Tage und eine regional sehr unterschiedliche Verteilung von Wind und Niederschlägen folgen daraus. Grob zusammengefasst wurde das langjährige Niederschlagsmittel in Norddeutschland über-, in Mittel- und Süddeutschland unterschritten. Das Windangebot lag etwa im langjährigen Durchschnitt. Lediglich Sturmtief Fabian sorgte Mitte des Monats für Böen von mehr als 100 km/h in den Bergen (z. B. 115 km/h – Belchen/Schwarzwald) und mehr als 80 km/h im Flachland (z. B. 85 km/h – Oerlinghausen).

Niederschlagshöhe Juli 2011

Abbildung 4: Niederschlagshöhe im Juli 2011 (absolut in mm und relativ in % des langjährigen Mittels 1961-1990) [2]

Kühl und verregnet war der Juli 2011. Vor allem im Nordosten Deutschlands brachte das ausgesprochen wechselhafte Wetter etwa drei- bis fünfmal so viel Regen mit sich, wie sonst in einem Juli üblich ist. Aber auch südlich von Main und Donau fiel bis zum Doppelten der üblichen Regenmenge, wohingegen es im Westen sogar recht trocken war. Das Windangebot war allerdings erheblich besser, als es für einen Juli typisch ist. Daran beteiligt war auch Sturmtief Meikel, welches Böen von über 100 km/h in den Gebirgen (z. B. 122 km/h – Zugspitze) und über 90 km/h an der Küste (z. B. 96 km/h – List/Sylt-Ellenbogen, Helgoland-Oberland) sowie im Binnenland (z. B. 96 km/h – Oerlinghausen) brachte.

Wetterkarte 14. Juli

Abbildung 5:  Wetterkarte vom 14. Juli 2011 [6]

Unbeständiges Wetter mit großen Unterschieden zwischen Nord- und Süddeutschland charakterisierte den August 2011. Höhere Temperaturen und mehr Sonne als im langjährigen Mittel gab es im trockenen Süddeutschland. Im Norden hingegen lagen die Temperaturen im Bereich des langjährigen Mittels, die Sonne zeigte sich deutlich seltener und es gab überdurchschnittlich hohe Regenmengen. Wind brachte hauptsächlich das Sturmtief Sven mit sich, das sich mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h (z. B. 109 km/h – Bad Brambach-Mineralquellen, 107 km/h – Berlin-Wannsee) bemerkbar machte.

Monatsmitteltemperaturen 2011

Abbildung 6:  Messwerte der Temperatur am Institut für Meteorologie, Universität Leipzig [4]

Nachdem er wechselhaft gestartet war, zeigte sich der September 2011 recht sommerlich. So wurde er überdurchschnittlich warm, wozu auch die vor allem im Süden Deutschlands überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden beitrugen. Die Niederschlagsmengen blieben trotz der in der ersten Monatshälfte besonders vielen starken Gewitter leicht unter dem langjährigen Mittel. Das Windaufkommen lag nur geringfügig unterhalb des langjährigen Mittels. Dazu trugen auch Anfang und Mitte des Monats das Sturmtief Erich und das Orkantief Katia mit Windgeschwindigkeiten von weit über 100 km/h in den Bergen (z. B. Erich: 148 km/h – Brocken) und an der Küste (z. B. Erich: 113 km/h – Helgoland / Oberland) und von über 90 km/h im Binnenland (z. B. Katia: 94 km/h – Bad Harzburg-Burgberg) bei.

Wetterkarte 6. September

Abbildung 7:  Wetterkarte vom 6. September 2011 [6]

Der Oktober war einer der sonnigsten Oktober der letzten Jahrzehnte. Die Temperaturen und Niederschlagsmengen lagen hingegen im Bereich des langjährigen Mittels, wobei die Niederschläge regional sehr unterschiedlich verteilt waren. Während am Alpenrand und Ostbayern sowie in Teilen Niedersachsens das langjährige Niederschlagsmittel deutlich überschritten wurde, blieb es vor allem in Südwestdeutschland recht trocken. Auch das Windangebot war für einen Oktober als durchschnittlich zu bezeichnen. Dafür sorgten auch die Sturmtiefs Ophelia, Jörn und Klaus mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h in den Bergen und an der Küste sowie von mehr als 90 km/h im Binnenland.

Niederschlagshöhe November 2011

Abbildung 8: Niederschlagshöhe im November 2011 (absolut in mm und relativ in % des langjährigen Mittels 1961-1990) [2]

Der trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war der November 2011. Selbst in den niederschlagsreichsten Regionen war es rekordverdächtig trocken. Und in den trockensten Regionen fiel während des gesamten Monats nicht ein einziger Tropfen Niederschlag. Die Temperaturen blieben dabei im Bereich des langjährigen Mittels, wohingegen sich die Sonne im November – ähnlich wie im Oktober – so häufig zeigte, wie es in den letzten Jahrzehnten nur selten in einem November geschah. Lediglich an der Küste sowie in den Flusstälern Süddeutschlands gab es Nebel und Hochnebel, der sich teilweise tagelang nicht auflöste. Vor allem gegen Ende des Monats brachten die Orkantiefs Xaver und Yoda Wind. Letzteres führte zu Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h nicht nur an der Küste (z. B. 144 km/h – Hiddensee-Dornbusch) und in den Bergen (z. B. 126 km/h – Brocken), sondern auch im Binnenland (z. B. 117 km/h – Bad Harzburg-Burgberg).

Temperaturabweichung und Niederschlagshöhe Dezember 2011

Abbildung 9: Temperaturabweichung (Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990 in K) und Niederschlagshöhe (relativ in % des langjährigen Mittels 1961-1990) im Dezember 2011 [2]

Auf einen der trockensten und sonnigsten November folgte einer der mildesten und nassesten Dezember der letzten Jahrzehnte. Lediglich in einem Dreieck zwischen Magdeburg, Erfurt und Dresden war es etwas trockener als im Dezember üblich; sonst überstiegen die Niederschlagsmengen, welche überwiegend als Regen und nur gegen Monatsende in höheren Lagen als Schnee fielen, das langjährige Mittel bei Weitem. Dem entsprechend ließ sich auch die Sonne etwas seltener blicken als normal. Die Orkan-, Sturm- und Randtiefs gaben sich im Dezember 2011 die Klinke in die Hand und sorgten dafür, dass der Dezember der windreichste Monat des ganzen Jahres und das langjährige Mittel deutlich überboten wurde. Insgesamt hatten im Verlauf des Monats 14 derartige Tiefs Einfluss auf Deutschland. Am stärksten wirkte sich das Orkantief Joachim auf Deutschland aus. Spitzenwindböen von mehr als 160 km/h in den Bergen (z. B. 183 km/h – Zugspitze) und von mehr als 120 km/h im Binnenland (z. B. 137 km/h – Küssaburg) wurden gemessen.

Wetterkarte 17. Dezember

Abbildung 10:  Wetterkarte vom 17.12.2011 (Orkantief Joachim über der Ostsee) [7]


Quellen:

[1] Messdatenauswertung – Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH:
http://www.windgutachten.de

[2] Deutscher Wetterdienst:
http://www.dwd.de

[3] Monatsrückblick von WetterOnline:
http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/rueckblick/

[4] Institut für Meteorologie, Universität Leipzig:
http://www.uni-leipzig.de

[5] Unwetterereignisse – Meteomedia:
http://www.meteomedia.ch

[6] Institut für Meteorologie FU Berlin:
http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/

[7] Wetter3:
http://www.wetter3.de

 

Autor: René Nowka
Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH