Witterungsreport für Januar bis Juni 2009

Präsentiert von:
der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH

Windarmes erstes Halbjahr 2009

Das erste Halbjahr des Jahres 2009 fiel außerordentlich windarm aus. Dies bestätigt die Auswertung des Windangebotes am Standort Königshain in Sachsen (Messstation der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH), wo bisher nur 69 % des langjährigen mittleren Windangebots dieser Monate erreicht wurden. Dabei blieb der sonst so ertragreiche Januar, der nur ganze 35 % des Referenzwertes aus dem Zeitraum von 1993 bis 2007 erbrachte, besonders weit hinter den Erwartungen zurück. Lediglich das Windangebot des Monats Juni lag geringfügig über dem Durchschnitt (vgl. Abbildung 1). Geht man von einem durchschnittlichen Windangebot in der zweiten Jahreshälfte aus, so können an diesem Standort in diesem Jahr noch Ertragswerte in der Größenordnung von etwa 83 % des langjährigen Mittels erreicht werden.

Vergleich Leistungsdichte-Indizes

Abbildung 1: Vergleich der Leistungsdichte-Indizes [3]

In vielerlei Hinsicht außergewöhnlich präsentierte sich der Januar. Entgegen dem allgemeinen Trend war dieser Monat um 1,7 Kelvin (K) kälter als im langjährigen Mittel (internationale klimatologische Referenzperiode 1961-90) [1]. Der tiefste Wert dieses Monats in Deutschland wurde mit -27,7 °C am 6. Januar südlich von Dresden gemessen. Es fielen auch deutlich weniger Niederschläge als üblich. Vielerorts wurden nur 50 % der für den Januar normalen Niederschlagsmengen gemessen [2]. Dem gegenüber standen allerdings auch für einen Januar ungewöhnlich viele Sonnenstunden [1].

Trotz des Durchzugs einiger Sturm- und Orkantiefs, wie z.B. JORIS am 23. und 24. Januar mit Spitzenwindböen von über 170 km/h im Bergland (z.B. 187 km/h – Wendelstein, 176 km/h – Feldberg/Schwarzwald) und Böen von über 100 km/h im Flachland (z.B. 115 km/h – Küssaburg) [5] fiel der Monat extrem windarm aus, was Abbildung 1 für Königshain anschaulich zeigt.

Auch im Februar lagen die Durchschnittstemperaturen noch etwas unter dem langjährigen Mittel. Lediglich im Norden gab es auch geringfügige Überschreitungen der langjährigen Werte. Die Niederschlagsmengen lagen nur knapp über den Durchschnittswerten. Auffällig viel Regen und vor allem Schnee fiel allerdings an den Nordrändern der Gebirge. Die markanteste Abweichung von den langjährig gemessenen Werten stellte die Sonnenscheindauer dar, die in diesem Februar um etwa 30 % geringer als üblich ausfiel [2].

Für die Windenergie verlief auch der Februar unterdurchschnittlich. Der Leistungsdichte-Index für Königshain lag lediglich bei 75 % des Referenzwertes für diesen Monat.

Im März lagen die Temperaturen geringfügig (um 0,8 K) über dem langjährigen Mittel, was jedoch durch die fehlenden Sonnenstunden, welche nur etwa 80 % der Durchschnittswerte für den März erreichten, von den Wenigsten auch so empfunden wurde [1]. Die Niederschläge überschritten die in anderen Jahren üblichen Mengen zum Teil recht deutlich und fielen auch im Flachland noch teilweise als Schnee. An den Nordseiten der Gebirge wurde mancherorts fast das Doppelte der normalen Niederschlagsmengen für einen März erreicht. Lediglich die Monatsmitte war etwas trockener [2].

Das Windangebot im März erreichte noch immer nicht die Durchschnittswerte der Referenzperiode 1993-2007 und lag in Königshain bei ca. 84 %.

Monatsmitteltemperatur 2009

Abbildung 2: Messwerte der Temperatur am Institut für Meteorologie, Universität Leipzig [4]

Ausgesprochen trocken und warm war der April 2009. Den äußersten Westen und Südwesten Deutschlands ausgenommen, war es der wärmste April seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen [2]. Die Durchschnittstemperaturen lagen um 4,5 K über dem langjährigen Mittel (vgl. auch Abbildung 2) [1] Auch die durchschnittliche Sonnenscheindauer wurde überwiegend um 20 bis 50 % überschritten. Hingegen erreichten die Niederschläge im Nordosten Deutschlands nur 5 bis 10 % des langjährigen Mittels [2].

Im April wurde eine Leistungsdichte erreicht, die in Königshain etwa 77 % des Erwartungswertes für einen durchschnittlichen April entsprach.

Warm, ansonsten aber eher ausgewogen präsentierte sich das Wetter im Mai. Dabei folgte einem kühlen, aber meist trockenen Monatsanfang in den meisten Gegenden eine wechselhafte Witterung mit stabilen Temperaturen. Ab der Monatsmitte setzte sich jedoch recht warmes und von teilweise heftigen Gewittern begleitetes Frühsommerwetter durch. Die Durchschnittstemperaturen lagen im Norden etwa 1 K, im Süden etwa 2 bis 3 K über dem langjährigen Mittel. Niederschläge fielen überwiegend im Zusammenhang mit Gewittern, sodass die Niederschlagsmengen lokal sehr unterschiedlich ausfielen [2].

Sturmtief FELIX brachte am Ende des Monats Spitzenwindböen von über 120 km/h im Süden Deutschlands (z.B. 156 km/h – Uhldingen/Mühlhofen, 124 km/h – Kressbronn) und über 90 km/h in den übrigen Regionen des Landes (z.B. 93 km/h – Bastorf-Kägsdorf und Gütersloh) [5]. Das Windangebot im Mai unterschritt jedoch den durchschnittlichen Wert (Referenzperiode 1993-2007) um ca. 11 %.

Wetterkarte vom 26. Mai 2009

Abbildung 3: Wetterkarte vom 26. Mai 2009 [6]

Äußerst wechselhaft war der Juni. Anfangs war er recht kühl, was sich aber gegen Monatsende deutlich änderte. Die Durchschnittstemperaturen blieben ca. 0,6 K unter dem langjährigen Mittel, was diesen Monat zum kühlsten Juni seit dem Jahr 2001 machte [1]. Insgesamt war der Juni ausgewogen feucht, wobei es jedoch große regionale Unterschiede gab. Vor allem im Norden war es eher trocken, wohingegen der Süden etwas mehr Niederschläge abbekam. Die Niederschläge traten teilweise in Verbindung mit heftigen Unwettern auf [2].

Ungewöhnlich für die Jahreszeit war der Durchzug eines Sturmtiefs (MARTIN) mit Spitzenwindböen im Bergland und Küstenbereich von über 110 km/h (z.B. 130 km/h – Feldberg/Schwarzwald, 126 km/h – Hiddensee/Dornbusch) und über 80 km/h im Flachland (z.B. 93 km/h – Berlin/Dahlem, 87 km/h – Altmühlsee) [5]. Auch aufgrund dieses Sturmtiefs wurde erstmals in diesem Jahr im Juni der Erwartungswert für das Windangebot wieder überschritten und lag in Königshain bei 113 % des Referenzwertes von 1993-2007.

Quellen:

[1] Deutscher Wetterdienst:
http://metportal.dwd.de

[2] Monatsrückblick von WetterOnline:
http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/rueckblick/

[3] Messdatenauswertung – Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH:
http://www.windgutachten.de

[4] Institut für Meteorologie, Universität Leipzig:
http://www.uni-leipzig.de

[5] Unwetterereignisse – Meteomedia:
http://www.meteomedia.ch

[6] Institut für Meteorologie FU Berlin:
http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/

 

Autoren: René Nowka, Andreas Köhl
Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH