Witterungsreport November 2005

Präsentiert von:
der Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH in Zusammenarbeit mit der Firma AL-PRO
 

Üblicherweise verlagert sich im November die Frontalzone, dass heißt die Trennlinie zwischen kalter Polarluft und wärmerer Tropikluft, nach Süden, so dass sie über Mitteleuropa liegt. In diesem Fall ziehen die Tiefdruckgebiete an ihr entlang und bringen sehr wechselhaftes und windiges Wetter.

Im November 2005 wurde die Witterung anfänglich von Hochdruckgebieten über Kontinentaleuropa bestimmt; diese führten dazu, dass die Tiefdruckgebiete nördlich von Deutschland über die britischen Inseln nach Skandinavien zogen. In der ersten Monatshälfte bis etwa zum 14. lag Deutschland somit in einer beständigen Südwestströmung, dabei wurde sehr milde Luft herangeführt, und es kam teilweise zu neuen Rekord-Höchstwerten der Temperatur. In der zweiten Monatshälfte kam die Westwinddrift völlig zum Erliegen, bestimmend für Deutschland waren wiederum Hochdruckgebiete, außerdem wurde feuchte und kalte Luft von Norden herantransportiert. Im Allgemeinen gab es im November nur geringe Luftdruckgegensätze, so dass der November 2005 unterdurchschnittliche Windverhältnisse aufzuweisen hatte.

Die ersten Tage des November wurden durch die Hochs TRAUDL und VERENA über Ost- bzw. Südosteuropa bestimmt, die Tiefdruckgebiete ex-WILMA, JAKOB und KURT zogen vom Atlantik über die britischen Inseln nach Norden, so dass Deutschland nur an der Nordseeküste von ihren Ausläufern gestreift wurde. Am 07. und 8. November überquerte das Sturmtief LUTZ die Britischen Inseln. Bis zum 12. November zogen die Tiefdruckgebiete NINO und OLAF sehr weit nördlich an Deutschland vorbei. Gegen Mitte des Monats wurde an der Rückseite des Tiefs PETRUS kalte Luft von Norden nach Deutschland geführt, diese gelangte in den nächsten Tagen unter den Einfluss des Hochs XANDRA über der Nordsee.

Am 23. entwickelte sich zwischen Skandinavien und Island das Tief THORSTEN, welches sich bis zum 25. nach Süden verlagerte und gleichzeitig zum Sturmtief verstärkte. Das Besondere an dieser Wetterlage war, dass sich das Tief auf Grund schwacher Strömungsverhältnisse in höheren Luftschichten der Atmosphäre nur sehr langsam verlagerte.

Am 25. und 26. lag es mit seinem Zentrum über den nördlichen Niederlanden und richtete mit seinen ergiebigen Schneefällen und Sturmböen großen Schaden an. Durch Strommasten, die unter der Last des Schnees und Eises zusammenbrachen, waren zeitweilig über 200.000 Menschen im Münsterland ohne Strom. Diese Katastrophe zählt zu den größten dieser Art in Deutschland seit über 50 Jahren.


Abbildung 1: Wetterlage vom 25.11.2005. Sturmtief THORSTEN hat sich von Norden her nach Mitteleuropa verlagert und bringt große Schneemengen und Sturmböen [2].
 

Tief THORSTEN löste sich in den nächsten Tagen bis zum 28. auf, das Wetter in Mitteleuropa wurde bis zum Monatsende von geringen Luftdruckgegensätzen bestimmt.

Ein besonders seltenes Ereignis war Ende November zu beobachten, der tropische Sturm DELTA bewegte sich vom Atlantik nach Nordwesten bis zu den Kanarischen Inseln. Er war der bereits 28. Sturm der Rekord-Hurrikansaison 2005 im Atlantik.


Abbildung 2: Zugbahn des tropischen Sturms DELTA vom Atlantik zu den Kanarischen Inseln [3].
 

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass trotz eines verheißungsvollen Starts mit dem sehr windigen Monat Januar das Windjahr 2005 wohl wieder ein unterdurchschnittliches sein wird.


Quellen:

[1] Bezeichnung der Druckgebiete:
www.wetterpate.de

[2] Wetterkarte:
www.wetterzentrale.de

[3] Karte der Zugbahn des Sturms Delta:
www.solar.ifa.hawaii.edu

 

Autor: Dipl.-Met. Eik Steinbach (Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH)